Projekt „Unsere Stimme zählt – nicht ohne uns“ stärkt Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik
Der Vogelsbergkreis entwickelt Beteiligungsformate und einen Handlungsleitfaden bis 2028 – mit Auftakt zur Befragung zum jugendgerechten Sozialraum in Alsfeld
Der Vogelsbergkreis startet ein neues Projekt zur politischen Beteiligung junger Menschen. Unter dem Titel „Unsere Stimme zählt – nicht ohne uns“ soll Kindern und Jugendlichen mehr Raum gegeben werden, sich aktiv in die Kommunalpolitik einzubringen, kündigt Landrat Dr. Jens Mischak an.
Nach Angaben des Kreises wurde das Vorhaben vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales in die Förderung des Aktionsprogramms „Jugend Macht Politik – Partizipation ermöglichen“ aufgenommen. Das Projekt läuft bis zum 31. Dezember 2028.
Ziele des Projekts
Im Mittelpunkt steht laut Landrat Mischak die Frage, wie aus dem Recht junger Menschen auf Beteiligung echte Mitsprache vor Ort werden kann. Kinder und Jugendliche hätten das Recht, gehört und bei Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt zu werden.
Als Grundlage nennt die Mitteilung unter anderem die 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedete UN-Kinderrechtskonvention, die Deutschland 1992 ratifiziert habe. Auch im hessischen Kommunalrecht sei die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen verankert.
Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele:
- Politisch Verantwortliche im Vogelsbergkreis sowie in den Städten und Gemeinden sollen über die Beteiligungsrechte junger Menschen informiert und dafür sensibilisiert werden.
- Gemeinsam mit Jugendlichen sollen geeignete Beteiligungsformate entwickelt werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, fertige Lösungen für junge Menschen zu entwickeln, sondern mit ihnen zu klären, welche Formen der Beteiligung funktionieren, welche Themen sie bewegen und wie sie ihre Interessen in die kommunalpolitische Diskussion einbringen können.
- Für die Praxis soll zudem exemplarisch für den Vogelsbergkreis und eine interessierte Stadt oder Gemeinde ein Handlungsleitfaden zur Umsetzung von Jugendbeteiligungsrechten entwickelt werden.
Informationsveranstaltung am 9. September in Alsfeld
Den offiziellen Auftakt bildet eine Informationsveranstaltung am 9. September um 16.30 Uhr in der Geschwister-Scholl-Schule in Alsfeld.
Als Referent ist Prof. Dr. Philipp Donath von der University of Labour in Frankfurt am Main angekündigt. Er gilt laut Mitteilung als Experte für Kinder- und Jugendrechte sowie Partizipation und wird der Frage nachgehen, was die rechtlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendbeteiligung konkret für die kommunale Praxis bedeuten.
Im Anschluss soll darüber diskutiert werden, welche Konsequenzen sich daraus für die Arbeit im Vogelsbergkreis und in den Städten und Gemeinden ergeben. Dabei sollen auch unterschiedliche kommunale Arbeitsfelder und konkreter Handlungsbedarf in den Blick genommen werden.
Befragung zum „jugendgerechten Sozialraum“
Parallel zum Projektstart beginnt eine Befragung zum Thema „Jugendgerechter Sozialraum“. Ziel ist es, die Lebensrealität junger Menschen besser zu verstehen und ihre Perspektive stärker in die Entwicklung des kommunalen Lebens einzubeziehen.
Gefragt wird unter anderem, wo Jugendliche sich in ihrer Kommune wohlfühlen, wo Treffpunkte, Freizeitangebote oder Möglichkeiten zur Beteiligung fehlen, wie gut sie mobil sind, welche Themen sie beschäftigen und wo sie sich mehr Mitsprache wünschen.
Dr. Mischak betont, Beteiligung bedeute mehr, als Jugendlichen gelegentlich das Wort zu geben. Ernst gemeinte Beteiligung setze voraus, dass junge Menschen nachvollziehbar Einfluss auf Entscheidungen nehmen können, die ihr Leben und ihr Umfeld betreffen. Dafür brauche es klare Zuständigkeiten, geeignete Beteiligungsformen, ausreichende Ressourcen und den politischen Willen, ihre Perspektiven tatsächlich in Entscheidungen einfließen zu lassen.
„Unsere Stimme zählt – nicht ohne uns“ solle dazu beitragen, Jugendbeteiligung von einzelnen Projekten zu einer verlässlichen kommunalen Praxis weiterzuentwickeln. Damit würden nicht nur Kinderrechte umgesetzt, sondern zugleich demokratische Teilhabe gestärkt und jungen Menschen Möglichkeiten eröffnet, ihre eigene Lebenswelt aktiv mitzugestalten.
Die Kinder- und Jugendbeteiligung habe im Vogelsbergkreis Tradition, heißt es weiter. Landrat Mischak weist darauf hin, dass es das Kreisjugendparlament bereits seit 1992 gibt.
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