Vulkanbäcker Haas in Schotten im Fokus eines Betriebsbesuchs
Landrat Dr. Jens Mischak sowie Vertreter von Wirtschaftsförderung und Arbeitgeberservice informierten sich über Produktion, Ausbildung und die gesicherte Unternehmensnachfolge

In der Backstube von Vulkanbäcker Haas in Schotten hat Landrat und Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak gemeinsam mit Kathrin Janisch von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises sowie Susen Neumann vom Arbeitgeberservice der KVA Vogelsbergkreis – Kommunales Jobcenter einen Einblick in die Arbeit des Unternehmens erhalten.
Bei dem Besuch begrüßte Bäckermeister und Geschäftsführer Joachim Haas die Gäste in der Backstube, in der gerade die zweite Schicht übernahm. Dort werden Brot, Brötchen und mehr als 600 weitere Backartikel vorbereitet. Nach Angaben des Unternehmens entstehen am Ende eines Tages rund 40.000 Teile, an denen die rund 100 Mitarbeiter in Produktion, Verkauf und Logistik arbeiten. Sie produzieren, verzieren, füllen, verpacken und verladen die Waren und transportieren sie zu den Verkaufsstellen und Cafés in der Region.
Dr. Jens Mischak zeigte sich von den Abläufen beeindruckt. „Denn trotz dieser imposanten Zahlen merkt man hier, dass in der Vulkanbäckerei echtes Bäcker- und Konditorhandwerk gelebt wird“, erklärte der Landrat.
Handwerk und Besuchergruppen
Joachim Haas nutzt den Betrieb nach eigenen Angaben auch, um die Besonderheiten des Handwerks und regionaler Zutaten zu vermitteln. Aus diesem Grund begrüßt das Unternehmen jedes Jahr mehr als 30 Besuchsgruppen zu Brotseminaren und Führungen. Produziert wird seit 1993 am Ortseingang von Schotten.
Der Bäckermeister verwies zugleich auf die Herausforderungen, mit denen das Handwerk und die wirtschaftliche Lage verbunden sind. Dazu zählen für ihn hohe bürokratische Hürden, Fachkräftemangel, steigende Einkaufs- und Energiepreise sowie Sorgen um die Zukunft des Bäckerhandwerks.
Fachkräfte und Integration
Im Gespräch wurde deutlich, dass Haas nach eigenen Worten kontinuierlich an Lösungen und Perspektiven arbeitet. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt worden, außerdem sei investiert worden. „Ich will keine Fachkraft gehen lassen“, sagte Haas. Um Mitarbeiter im Betrieb zu halten, stellt er beispielsweise Wohnungen zur Verfügung, wenn Beschäftigte von weiter weg oder aus dem Ausland nach Schotten kommen.
Die Bedeutung des Teams hob der Geschäftsführer ebenfalls hervor. „Für den Fortbestand der Bäckerei ist das multikulturelle Team in Produktion und Verkauf sehr wichtig. Hier wird Integration täglich gelebt. Denn: Manchmal braucht es eben jemanden, der einen begleitet und mal weiterhilft“, sagte Haas. Ein Hinweis auf diese Entwicklung sei auch die Zahl der Auszubildenden. In diesem Jahr werden nach seinen Angaben zehn Nachwuchsfachkräfte für Backstube, Verkauf und Büro ausgebildet.
Regionalität und Kosten
Nach Angaben des Unternehmens spielt Regionalität eine wichtige Rolle, unter anderem beim Mehl. Zugleich werde dies zunehmend schwieriger. Haas verwies darauf, dass nicht nur Mühlen aufgeben, sondern auch die Zahl von Metzgereien, regionalen Händlern und Zulieferern seit längerer Zeit zurückgehe. Als Gründe nannte er unter anderem fehlende Nachfolge, Fachkräftemangel, gestiegene Produktionskosten und strenge Regularien.
Mit Blick auf Vorgaben im Betrieb sagte Haas: „Hygiene-, Brandschutz-, Arbeitsschutz-, Datenschutz- und all die anderen Vorgaben muss ich bis ins letzte Glied meinen Mitarbeitern nahebringen. Das sind wichtige Themen, keine Frage, doch es bedeutet einen hohen Aufwand und zusätzliche Kosten für mich. Da könnte vieles einfacher geregelt werden.“
Auch Mautgebühren für Zulieferer und steigende Rohstoffpreise wirkten sich nach seinen Angaben deutlich aus. „Rund 300.000 Euro haben wir schon in einen neuen Backofen und effiziente Wärmerückgewinnung investiert. Ein weiterer Ofen soll bald eingebaut werden – und trotzdem machen die Energiekosten etwa 40 Cent pro Kilogramm Backwaren aus“, erklärte Haas.
Nachfolge bereits geklärt
Dr. Mischak ordnete die Stellung des Unternehmens in der Branche so ein: „Der Vulkanbäcker Haas ist besonders. Denn er hat sich in der Nische zwischen Handwerk und Industrie etabliert. Ein Stück weit vereint der Betrieb das Beste aus beiden Welten – handwerkliche Tradition und hohe Qualität und effiziente und moderne Arbeit in Bäckerei, Logistik und Verkauf.“
Zum Abschluss berichtete Joachim Haas, dass die Nachfolge für den Betrieb bereits gesichert sei. Sohn und Tochter wollten in das Unternehmen einsteigen und die Bäckereitradition in Schotten fortführen.
Weitere Bilder


Eigene Anzeige
Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen
Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.