Jena unterzeichnet Leitbild für das Modellprojekt „Das WIR ist stärker als das ICH“
Rahmenvereinbarung im Historischen Rathaus mit Fokus auf sozialraumorientierte Eingliederungshilfe für Erwachsene
Die Stadt Jena und acht beteiligte Leistungserbringer haben im Historischen Rathaus die Rahmenvereinbarung und das Leitbild zum Modellprojekt „Das WIR ist stärker als das ICH“ unterzeichnet. Mit dem Vorhaben soll die sozialraumorientierte Eingliederungshilfe für Erwachsene weiterentwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedürfnisse und der Wille von Menschen mit Teilhabebedarf.
Nach Angaben der Stadt soll Unterstützung künftig nicht mehr allein als Einzelfallhilfe gedacht werden. Stattdessen sollen auch die Möglichkeiten des jeweiligen Sozialraums stärker einbezogen und miteinander verbunden werden. Dazu zählen Nachbarschaften, Vereine, Initiativen, soziale Einrichtungen und andere vorhandene Netzwerke.
Gemeinsame Ausrichtung auf Teilhabe und Sozialraum
Die Stadt Jena und die beteiligten Leistungserbringer arbeiten bereits seit 2023 gemeinsam an der neuen Ausrichtung. Ausgangspunkt sind steigende Bedarfe in der Eingliederungshilfe und die Einschätzung, dass eine reine Ausweitung bestehender einzelfallbezogener Hilfestrukturen langfristig keine ausreichende Antwort bietet.
Sozialraumorientierung bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als eine räumliche Aufteilung der Stadt. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Ziele, Fähigkeiten und Ressourcen der Menschen. Gleichzeitig sollen vorhandene Angebote und Netzwerke besser genutzt, miteinander verknüpft und geöffnet werden. Personenzentrierung, Selbstbestimmung und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bilden die Grundlage des gemeinsamen Handelns.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche hob bei der Unterzeichnung die Aufbruchsstimmung unter den Beteiligten hervor. Er sagte: „Was mich heute besonders beeindruckt hat, ist die positive Energie, mit der alle Beteiligten diesen neuen Weg gemeinsam gehen wollen. Hier wurde nicht einfach eine Vereinbarung unterschrieben. Hier ist über Jahre Vertrauen gewachsen und der Wille entstanden, Dinge gemeinsam anders und besser zu machen. Genau dieses Miteinander braucht es, wenn wir Teilhabe in unserer Stadt weiter stärken wollen.“
Kathleen Lützkendorf, Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima, konnte krankheitsbedingt nicht an der Unterzeichnung teilnehmen. Sie hat die Entwicklung des Modellprojekts auf Seiten der Stadt eng begleitet und erklärte: „Mit dem Modellprojekt verändern wir nicht nur Strukturen, wir verändern den Blick. Wir fragen zuerst: Was will der Mensch? Was kann er selbst, was kann sein Umfeld und was können wir gemeinsam möglich machen? Über die Sozialraumorientierung stärken wir die Teilhabe der Menschen, insbesondere dort, wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Stadt und Träger gehen diesen Weg von Anfang an gemeinsam. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass aus einer guten Idee gelebte Praxis wird.“
Acht Leistungserbringer beteiligt
An dem Modellprojekt beteiligen sich acht Leistungserbringer:
- Aktion Wandlungswelten
- AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen
- Diako Teilhabe und Inklusion
- Ein Dach für Alle e.V. Jena
- Grenzenlos e.V.
- Hilfe zur Selbsthilfe – Begegnung Jena e.V.
- SBW der Lebenshilfe Jena
- TSA Bildung und Soziales
Die Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil des Modells. Stadt und Leistungserbringer verstehen sich als Partner und wollen neue Angebote und Strukturen vertrauensvoll, kooperativ und transparent entwickeln. Menschen mit Teilhabebedarf und ihre Vertretungen sollen in den weiteren Prozess einbezogen werden.
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